Woran würde ich merken, dass mein Computer Bewusstsein hat?

In der letzten Zeit wird ja um die Künstliche Intelligenz (KI, oder engl. AI = artificial intelligence) ein großer Bohei gemacht angesichts der Fortschritte, die auf diesem Gebiet gemacht werden, sowie der vermeintlichen wirtschaftlichen Bedeutung, die diese Technik in Zukunft haben wird.

Eine interessante philosophische Frage in diesem Zusammenhang ist die, ob denn eine Künstliche Intelligenz auch irgendwann einmal Bewusstsein ausbilden könnte. Eine bewusste KI würde sich von einer nicht-bewussten dadurch unterscheiden, dass sie nicht nur Denkoperationen (im weitesten Sinne) ausführen könnte, sondern dass sie auch Erlebnisse hätte; das heißt, sie hätte beispielsweise wie wir eine Empfindung von Röte, wenn man einen roten Gegenstand vor ihrer Kamera plazieren würde, oder es würde sich für sie irgendwie anfühlen, wenn sie nachdenkt, sie könnte ein Problem, das sie versucht zu lösen, als schwierig empfinden und seine Bedeutung erfassen, oder sie könnte vielleicht auch zu guter Letzt ein Gefühl von sich selbst als dem Rest der Welt gegenübergestelltes Subjekt entwickeln und sich also als ein Ich erleben. Philosophen wie Thomas Metzinger gehen schon jetzt fest davon aus, dass Maschinen in nicht allzu ferner Zukunft auch Bewusstsein besitzen werden, so z.B. in seinem recht bekannten Buch „Der Ego-Tunnel“ (Metzinger, 2014). Ob das stimmt sei dahingestellt.

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Der große Weihnachtsschwindel (4)

Der angebliche Kindermord von Bethlehem

Herodes der Große ließ laut der Matthäus-Version der Geburtsgeschichte Jesu aufgrund der Prophezeiung der östlichen Sterndeuter sicherheitshalber sämtliche männlichen Kinder bis zum Alter von zwei Jahren in Bethlehem und Umgebung töten (Matth. 2, 16). Das ist aus vielerlei Gründen mehr als unwahrscheinlich.

Zunächst sei auf die Ausführungen in Teil 2 zum Stern von Bethlehem und und den „Heiligen 3 Königen“ verwiesen; darüber hinaus hätte Herodes eine solche abwegige Prophezeiung wie die der „Weisen aus dem Morgenland“, also beliebiger ausländischer Sterndeuter, sicher nicht ernst genommen. Er hätte vermutlich dafür gesorgt, dass niemand von dem Gerede der Astrologen erfährt und sie dann unauffällig umbringen lassen.Weiterlesen »

Der große Weihnachtsschwindel (3)

Die quirinische Steuerschätzung

Die allseits bekannte Weihnachtsgeschichte des Lukas beginnt mit den Sätzen:

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. (Lukas, 2, 1-5)

Es gab in der Tat einen Zensus zum Zwecke einer Abschätzung des zu erwartenden Steueraufkommens in der neu dem Römischen Reich einverleibten Provinz Syrien (einschließlich der jüdischen Stammlande), und zwar im Jahre 6 n. Chr. unter dem neuen römischen Verwalter von Syrien, Publius Sulpicius Quirinius. Der Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet ausführlich darüber.Weiterlesen »

Dialektik der Jahreszeiten – Der Frühling ist ab heute nicht mehr aufzuhalten!

Wie kann [die wahre Einheit] denn die Gegensätze
des Guten und des Bösen in sich tragen?
Aber in Wahrheit ist da kein Gegensatz,
denn das Böse ist der Thronsitz des Guten.

Baal Schem Tov
(ca. 1700 – 1760,
Begründer des jüdischen Chassidismus)

Die LeserInnen mögen mich angesichts der Überschrift für bekloppt halten, aber es stimmt wirklich: der nächste Frühling wirft seinen allerersten langen astronomischen Schatten voraus (zurück?) bis zum heutigen 12. Dezember! Wie das? – der Winter hat doch meteorologisch gerade erst angefangen!?Weiterlesen »

Der große Weihnachtsschwindel (2)

Der Stern von Bethlehem

(Matth. 2, 1 – 11) Dass kosmische Zeichen die Geburt des wichtigsten Menschen aller Zeiten begleiten, scheint nur konsequent. Warum allerdings den Stern nur Sterndeuter aus dem Osten – vermutlich also aus dem Reich der Parther – und nicht auch Menschen in Palästina bemerkt haben, verrät uns der Schreiber des Matthäus-Evangeliums nicht. Zeitgenössische außerbiblische Quellen jedenfalls wissen genausowenig von irgendwelchen besonderen Ereignissen am Himmel um das Jahr 0 herum, die sich als der Stern der Weihnachtsgeschichte interpretieren ließen, wie Matthäus’ Autorenkollege Lukas mit seiner umfangreichen, aber eben völlig anderen Geburtsgeschichte Jesu.Weiterlesen »

Der große Weihnachtsschwindel (1)

Die Adventszeit ist einmal mehr gekommen. Mit ihr wird in ganz großem Stil auf das Weihnachtsfest hingeleitet, an dem die Geburt des jüdischen Endzeitpredigers Jeschuah von Nazaret vor gut 2000 Jahren gefeiert wird, von dem die Christen glauben, dass er trotz Hinrichtung durch die römischen Besatzer Judäas in einem sogenannten „Himmel“ weiterlebt und irgendwann zurückkommt, um uns alle vor Gericht zu stellen und jene, die nicht an ihn geglaubt haben, den ewigen Qualen einer „Hölle“ zu überantworten. Jedenfalls glauben das „richtige“ Christen, denn so steht es in ihrem heiligen Buch.

Nichtsdestotrotz verfallen die meisten Menschen bei uns in dieser Zeit in eine anheimelnde Gestimmtheit und werden irgendwie „besinnlich“. Es werden zahllose Kerzen angezündet, Weihnachtsmärkte verunzieren die Innenstädte und Elektrosterne die Fenster, alle kuscheln sich aneinander, überall riecht es nach Nelken und Zimt, Glühwein benebelt den Verstand und an Heiligabend wird sogar in vielen nicht christlichen Familien die Weihnachtsgeschichte des Lukas verlesen – weil’s halt irgendwie so schön heimelig-behaglich ist. Ich mag diesen lauwarmen Weihnachtsschmus nicht und möchte mit einer Brise kritisch-kaltem Wind den Gefühlsmief des Advents ein wenig auslüften. Zu diesem Zweck sollen die biblischen Berichte rund um die Geburt des Menschheitserlösers einer skeptischen Prüfung unterzogen werden. An jedem Adventssonntag erscheint eine Folge.

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80ter Geburtstag von Herbert Achternbusch

Heute, am 23. November 2018, wird der wunderbare bayrische Schriftsteller, Maler und Filmemacher Herbert Achternbusch 80 Jahre alt.

Hier noch zwei Videolinks:

…und die Doku „Achternbusch“ von Andi Niessner aus dem Jahre 2008 in der BR-Mediathek:

https://www.br.de/mediathek/video/kuenstler-portraet-20112018-achternbusch-av:5a3c3b792a3aa60018b02ae4