Warum fallen Politiker eigentlich (fast) nie tot um?

Please, die…

Morrissey an Maggie Thatcher,

„Margaret on the Guillotine“, 1988

Schon seit geraumer Zeit kommt mir immer mal wieder ein Phänomen in den Sinn, das mir bemerkenswert erscheint; nämlich die Seltenheit des Sterbens von hohen PolitikerInnen im Amt. Ich denke dabei nur an natürliche Todesursachen – Machthaber, die gewaltsam den Tod fanden, fallen mir natürlich ohne Anstrengung reihenweise ein. Nein, was ich meine, ist das fast völlige Fehlen von Schlagzeilen wie dieser: „US-Präsident Trump nach Schlaganfall überraschend verstorben!“ Das wäre doch schön und interessant zugleich, Trump ist 74, das ist nun wirklich ein gutes Alter zum Sterben. Aber so etwas passiert einfach fast nie, oder?!

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CORONA – eine etwas andere Sicht auf die aktuelle Entwicklung (7)

Hier zum 1.8. nochmal aktuelle Zahlen zu den akut Corona-Infizierten.

  1. Die 25 Staaten mit der höchsten Falldichte von akut Infizierten am 1.8.2020
  2. Ausgewählte bevölkerungsreiche Staaten hinsichtlich ihrer Zahl von akut Infizierten am 1.8.2020

Allerdings habe ich festgestellt, dass die Länder höchst unterschiedlich mit der Schätzung der Anzahl der Genesenen umgehen; manche, wie Großbritanien und Spanien melden wohl gar keine Genesenen (was schon erwähnt wurde), was aber dazu führt, dass sich die Zahl der akut Infizierten Tag für Tag weiter aufbläht. Andere Länder scheinen bezüglich der Genesenen überoptimistisch zu sein, was zu niedrigeren Zahlen von akut Infizierten führt. Viele unten aufgeführten Werte dürften daher eventuell ziemlich unrealistisch sein. Unter Umständen ist gar die Corona-Situation in den USA garnicht ganz so dramatisch, wie die Zahlen suggerieren (?!). Ich bin der Sache auf der Spur, muss noch ein paar Tage Daten sammeln und werde in Kürze dazu etwas schreiben. Stay tuned.

© Matthias Wehrstedt 2020

CORONA – eine etwas andere Sicht auf die aktuelle Entwicklung (6)

Zur Ergänzung der puren Zahlen heute noch ein paar Kurven. Erste Wellen in Südafrika und Indien, zweite Wellen in den USA, Frankreich und — besonders heftig — in Israel. Dazu noch ein Land, dessen Bekämpfung von Corona man in den letzten Wochen nur vorbildlich nennen kann: Italien.

Auch hier wieder, wie in allen meinen Corona-Posts, ausschließlich die Zahl der zum jeweiligen Zeitpunkt akut Infizierten, ohne Genesene und Tote, ohne Akkumulation!

Graphen sind geklaut von https://www.worldometers.info/coronavirus .

CORONA – eine etwas andere Sicht auf die aktuelle Entwicklung (5)

Akut Infizierte in ausgewählten — vorwiegend bevölkerungsreichen — Ländern. Stand: 17.07.2020.

CORONA – eine etwas andere Sicht auf die aktuelle Entwicklung (4)

In Ergänzung zu der bisherigen Betrachtung der Zahl der momentanen, akut Infizierten in einzelnen Ländern habe ich mir mal die Mühe gemacht, die 20 Staaten mit der derzeit höchsten Dichte von akut Corona-Infizierten (also ohne Genesene und Tote) zusammenzustellen. Ich hoffe, ich hab keinen übersehen. Nur der Schurkenstaat Katar ist derzeit — d.h. am 1.7.2020 — noch schlechter als die USA. (Daten von worldometers.info)

© Matthias Wehrstedt 2020

CORONA – eine etwas andere Sicht auf die aktuelle Entwicklung (3)

Stand 28.6.2020

Betrachtet werden hier die Zahlen der akut Infizierten, nicht die kumulierten Zahlen aller bisher gemeldeten Fälle (siehe dazu Teil 1 dieser Reihe). Quelle ist das Dashboard von worldometers.info > https://www.worldometers.info/coronavirus/#countries .

Die aktuelle Lage nur ganz stichwortartig, mit den wichtigsten Infos. Zu Details siehe die Tabellen unten.

USA

Der ständige Anstieg der Fallzahlen in den USA hat sich zuletzt deutlich beschleunigt. Würde die Entwicklung in den Vereinigten Staaten so weitergehen wie in den letzten Tagen (nämlich mit täglichen Steigerungen der Anzahl der akut Infizierten um über 2%), hätte das Land zur Präsidentschaftswahl am 3. November etwa zwischen 15 und 20 Mio. akut Infizierte. Ob eine Wahl unter solchen Umständen überhaupt denkbar wäre, scheint äußerst fraglich. Man sieht, wie extrem dramatisch das ist, worauf das Land zusteuert, wenn nicht sehr schnell durchgreifende Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche beschlossen werden.

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CORONA – eine etwas andere Sicht auf die aktuelle Entwicklung (2)

Stand 21.6.2020

Hier meine Fortsetzung der Beobachtung der aktuell Infizierten in verschiedenen Ländern.

  1. Herausragende neue Entwicklung der letzten Woche war der sprunghafte Anstieg der Infiziertenzahlen in Deutschland, v.a. durch die Zustände in und um die Tiertötungsfabriken von Tönnies, aber auch durch regionale Ausbrüche wie erneut in Göttingen . Ob es sich hier nur, wie das Robert-Koch-Institut noch hofft, um regionale Ausreißer handelt, oder ob diese Ereignisse erste Vorboten einer generellen Trendwende in der Corona-Situation in Deutschland sind, punktuelle Ausbrüche aus einer allgemeinen sozialen Disziplin, die sich aber häufen könnten, um letztlich zu einem allgemeinen Dammbruch zu führen, lässt sich momentan noch nicht sagen. Aber Vorkommnisse wie in der Berliner Hasenheide, vielleicht auch die Gewaltausbrüche in Stuttgart, scheinen Symptome einer sehr fragilen Lage zu sein. Jedenfalls ist die aktuelle Entwicklung in Deutschland durch einen deutlichen Bruch des bisherigen positiven Abwärtstrends der aktuellen Fälle (mit entsprechenden kräftig roten prozentualen Zuwächsen) in der Tabelle 1 unten deutlich erkennbar.
  2. In Frankreich und den USA nehmen die akuten Fälle weiter langsam aber kontinuierlich zu.
  3. Italien ist weiter top in der Corona-Eindämmung. Seit Anfang Juni hat sich die Zahl der akut Infizierten in Italien etwa halbiert!
  4. Da Spanien, wie auch Großbritannien, die Niederlande und Schweden keine vollständigen Zahlen bekanntgeben, habe ich Spanien jetzt durch Polen als nächstgrößerem Land der EU ersetzt. Hier scheint die Zahl der momentan Infizierten leicht zurückzugehen.
  5. In Brasilien, Indien, Nigeria und Äthiopien nimmt die Zahl der Fälle weiter schnell zu. In Brasilien auf schon sehr hohem, in den anderen 3 Ländern auf (noch) niedrigem Niveau.
  6. Auch die Zahl aller Fälle auf der Welt nimmt weiter kontinuierlich zu.
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CORONA – eine etwas andere Sicht auf die aktuelle Entwicklung (1)

Ich bin ja neben manchem anderen auch ein kleiner Statistik-Freak. Diese schon seit der Kindheit bestehende Leidenschaft bricht auch heute noch hier und da durch. So auch vor Kurzem mal wieder, in Zusammenhang mit den weltweiten Corona-Zahlen.

Die offiziellen Corona-Statistiken mit ihrer Betonung aller bisher gemeldeten Fälle finde ich recht unbefriedigend, weil diese Zahl ja eine Summe von ganz verschiedenen Sachverhalten darstellt: es werden diejenigen, die eine Corona-Infektion schon hinter sich haben und jetzt (höchstwahrscheinlich) immun sind, diejenigen, die daran gestorben sind und zuletzt die, die momentan infiziert sind, zu einer Gesamtzahl zusammenaddiert. Eine solche Zahl sagt m.E. wegen ihrer heterogenen Komponenten wenig über die akute Corona-Lage in einem Land aus.

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Spiegel der Vergangenheit

Vor geraumer Zeit führte mich ein Spaziergang zu dem Haus in Kassel, in dem ich in den 1980er und 90er Jahren einige bewegte Jahre in einer WG gelebt hatte. Die Wohnung befindet sich im Erdgeschoss und so stand ich auf dem Gehweg direkt vor dem Fenster meines ehemaligen Zimmers, und nur 2 bis 3 Meter und die dicke Außenwand des Gründerzeitbaus trennten mich von meinem früheren Platz am Schreibtisch, wo ich damals viel Zeit verbracht habe.

Und wie ich da so stand und mir mich selbst vorstellte, wie ich da vor vielen Jahren nur zwei Schritte entfernt hinter der Mauer gesessen haben mochte, wehte mich, wie von sehr weit her, ein ganz eigenartiger Gedanke, eine seltsam unwirkliche Verwunderung an:

Wie kann ich denn Damals – Dort – Gewesen sein,

wo ich doch . . . . . Heute – Hier – Bin?

Die Frohe Botschaft nach Knecht Ruprecht

In diesem Jahr zur Feier von Christi Geburt ein kräftiger musikalischer Kontrapunkt zur üblichen süßlich-dümmlichen Zuckerbäckerweihnacht: Das grimmigste der Osnabrücker Angefahrenen Schulkinder, das sich – seltsam genug – Heaven Schulkinder nennt (und dessen bürgerlicher Name nicht zu ermitteln ist), bläst der versammelten Christengemeinde einen düsteren Marsch und lässt uns das Mark in den Knochen gefrieren!

Vordergründig sind die Persiflagen von Weihnachtslieder, die unter dem Titel Heaven sings X-Mas (Vol. 1: 1988, Vol.2: 2011) erschienen sind, natürlich höhnische Satiren auf die allzu brave und kuscheligen Frömmigkeit der herkömmlichen Weihnacht. Aber bei allem grimmigen Spott und aller Lust an der Destruktion des bürgerlichen Christfestes scheint mir doch auch etwas Ernsthaftes in Heavens Version dieses Paul-Gerhardt-Chorals mitzuschwingen. So wie in traditionellen Volksbräuchen die weihnachtlichen Himmelboten, etwa der Nikolaus, oft von finsteren Antipoden wie dem Knecht Ruprecht, Krampussen und anderen Kinderschrecks begleitet werden, so scheint mir der Schulkindersche Höllengesang Manifestation einer freigelegten gegenläufigen Unterströmung zur christlichen Mainstream-Weihnacht zu sein — dunkel, ruppig und struppig zwar, aber nichtsdestotrotz unverkennbar von heiliger Abkunft. Und überhaupt kommt auch die Heaven begleitende enorme Basstuba wie ein gewaltsamer Einbruch des Numinosen in die artig-geordnete Weihnachtsalltäglichkeit daher. Ich spüre hier nicht nur die satirische Verulkung der Chistusverehrung, sondern gewissermaßen eine verdrängte spirituelle dunkle Seite von Weihnachten; außerdem ist das einfach auch starke Musik.

In diesem Sinne: Ho ho ho! und wehe denen, die im zu Ende gehenden Jahr allzu brav gewesen sind!

Kommt und lasst uns Christum ehren

(Ein Christnachtsgesang von Paul Gerhardt)

Kommt und laßt uns Christum ehren,
Herz und Sinnen zu ihm kehren;
singet fröhlich, laßt euch hören,
wertes Volk der Christenheit.

Sünd und Hölle mag sich grämen,
Tod und Teufel mag sich schämen;
wir, die unser Heil annehmen,
werfen allen Kummer hin.

Seine Seel ist uns gewogen,
Lieb und Gunst hat ihn gezogen,
uns, die Satan hat betrogen,
zu besuchen aus der Höh.

Schönstes Kindlein in dem Stalle,
sei uns freundlich, bring uns alle
dahin, da mit süßem Schalle
dich der Engel Heer erhöht.

© Matthias Wehrstedt 2019