Im Paradiesgarten der Venus

Kommen die wärmeren Tage, so hören die Uferbewohner
nachts das Flußeis mit einem schrecklichen Knall
kanonenschußgleich aufbrechen, als seien die eisigen
Fesseln des Flusses von einem Ende zum anderen zerrissen.
H. D. Thoreau, Walden

 

Frühlingsanfang! Der lange Winter ist (kalendarisch) vorbei, aufs Neue beginnt (bald!) wie seit Millionen von Jahren in den kühl-gemäßigten Zonen der nördlichen Hemisphäre eine neue Vegetationsperiode. Jedes Jahr das Gleiche und doch auch jedesmal wieder mit einer ganz neuen und ganz eigenen Erleichterung und Vorfreude verbunden. Zu allen Zeiten war das Frühjahr auch eine Zeit besonders gehobenen Empfindens, gerade auch auf religiösem Gebiet.Weiterlesen »

Idiotenquiz

Man kann und muss im Namen
der Demokratie gegen die Einschaltquote kämpfen.

Pierre Bourdieu

 

Ein paar Anmerkungen zu jenen Anruf-Gewinnspielen im Privatfernsehen, bei denen für die zu lösenden Fragen zwei Antwortalternativen vorgegeben werden, von denen eine sich von selbst versteht, während die andere völlig abwegig ist, und die deshalb selbst auf den schlicht gestrickten Zuschauer vollkommen debil und würdelos wirken.

Drei Beispiele aus der RTL-Boulevardsendung „Punkt 12“ und die LeserInnen wissen sicher sofort, was ich meine:

Was ist die Abkürzung für Winterschlussverkauf?  a. WSV,  b. 1. FC Köln  (RTL, Punkt 12, Jan. 2011)

Wie heißt eine berühmte Comic-Figur?  a. Batman, b. Bettdecke  (RTL, Punkt 12, 08.01.2018)

Zu wem gehen wir, wenn wir krank sind?  a. Hausarzt, b. Hausmeister  (RTL, Punkt 12, 11.01.2018)Weiterlesen »

Luther und der Höllengott

„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn,
dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.
Und wenn du lange in einen Abgrund blickst,
blickt der Abgrund auch in dich hinein.“
Friedrich Nietzsche

 

Im Jahr 2017, genau am 31. Oktober, jährt sich die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel [1], der als Auftakt der heute unter der Bezeichnung „Reformation“ bekannten religiösen Revolution am Anfang des 16. Jahrhunderts gilt, zum 500ten Mal. In der evangelischen Welt wird dieses Jubiläum verständlicherweise ausgiebig gefeiert; die deutschen Protestanten riefen sogar volle 10 Jahre ab 2008 vorab zur „Lutherdekade“ aus, um auf das enorme Datum hinzuleiten und veranstalten dieses Jahr republikweit ein riesenhaftes Spektakel rund um den Reformator, speziell in der „Lutherstadt“ Wittenberg. [2]

Auf der anderen Seite wurde als Antwort auf dieses Ausmaß an Verehrung von religions- und kirchenkritischer Seite ein heftiges Luther-Bashing betrieben. Sein Glaube an Teufel und Dämonen, sein Aufruf zu rücksichtsloser Gewalt gegen die aufständischen Bauern, seine Frauenfeindlichkeit und insbesondere sein scharfer Antisemitismus im Alter wurden und werden mit leidenschaftlicher Vehemenz an den Pranger gestellt und ihm derhalben insgesamt die Eignung als große Persönlichkeit und geistiges Vorbild abgesprochen. Texte, die dieser Linie folgen, sind beispielsweise Hubertus Mynareks „Ein monströser Gott“ (über Luthers Gottesbild) und „Martin Luthers Großangriff auf Philosophie und Vernunft“ (Mynarek, 2016a & 2016b), beide Ende 2016 beim Humanistischen Pressedienst (https://hpd.de) erschienen. In Buchform wären da z.B. Henkel (2017) und Wippermann (2014) zu nennen. Kritische Aktionen wie der „Nackte Luther“ begleiteten evangelische Kirchentage und Jubiläumsveranstaltungen. Auch Fernsehphilosoph Richard David Precht mag den Reformator nicht und nennt ihn einen „widerlichen Gesellen“ und „Verbrecher an der Menschheit“.[3]Weiterlesen »