Der große Weihnachtsschwindel (2)

Der Stern von Bethlehem

(Matth. 2, 1 – 11) Dass kosmische Zeichen die Geburt des wichtigsten Menschen aller Zeiten begleiten, scheint nur konsequent. Warum allerdings den Stern nur Sterndeuter aus dem Osten – vermutlich also aus dem Reich der Parther – und nicht auch Menschen in Palästina bemerkt haben, verrät uns der Schreiber des Matthäus-Evangeliums nicht. Zeitgenössische außerbiblische Quellen jedenfalls wissen genausowenig von irgendwelchen besonderen Ereignissen am Himmel um das Jahr 0 herum, die sich als der Stern der Weihnachtsgeschichte interpretieren ließen, wie Matthäus’ Autorenkollege Lukas mit seiner umfangreichen, aber eben völlig anderen Geburtsgeschichte Jesu.Weiterlesen »

Der große Weihnachtsschwindel (1)

Die Adventszeit ist einmal mehr gekommen. Mit ihr wird in ganz großem Stil auf das Weihnachtsfest hingeleitet, an dem die Geburt des jüdischen Endzeitpredigers Jeschuah von Nazaret vor gut 2000 Jahren gefeiert wird, von dem die Christen glauben, dass er trotz Hinrichtung durch die römischen Besatzer Judäas in einem sogenannten „Himmel“ weiterlebt und irgendwann zurückkommt, um uns alle vor Gericht zu stellen und jene, die nicht an ihn geglaubt haben, den ewigen Qualen einer „Hölle“ zu überantworten. Jedenfalls glauben das „richtige“ Christen, denn so steht es in ihrem heiligen Buch.

Nichtsdestotrotz verfallen die meisten Menschen bei uns in dieser Zeit in eine anheimelnde Gestimmtheit und werden irgendwie „besinnlich“. Es werden zahllose Kerzen angezündet, Weihnachtsmärkte verunzieren die Innenstädte und Elektrosterne die Fenster, alle kuscheln sich aneinander, überall riecht es nach Nelken und Zimt, Glühwein benebelt den Verstand und an Heiligabend wird sogar in vielen nicht christlichen Familien die Weihnachtsgeschichte des Lukas verlesen – weil’s halt irgendwie so schön heimelig-behaglich ist. Ich mag diesen lauwarmen Weihnachtsschmus nicht und möchte mit einer Brise kritisch-kaltem Wind den Gefühlsmief des Advents ein wenig auslüften. Zu diesem Zweck sollen die biblischen Berichte rund um die Geburt des Menschheitserlösers einer skeptischen Prüfung unterzogen werden. An jedem Adventssonntag erscheint eine Folge.

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Im Paradiesgarten der Venus

Kommen die wärmeren Tage, so hören die Uferbewohner
nachts das Flußeis mit einem schrecklichen Knall
kanonenschußgleich aufbrechen, als seien die eisigen
Fesseln des Flusses von einem Ende zum anderen zerrissen.
H. D. Thoreau, Walden

 

Frühlingsanfang! Der lange Winter ist (kalendarisch) vorbei, aufs Neue beginnt (bald!) wie seit Millionen von Jahren in den kühl-gemäßigten Zonen der nördlichen Hemisphäre eine neue Vegetationsperiode. Jedes Jahr das Gleiche und doch auch jedesmal wieder mit einer ganz neuen und ganz eigenen Erleichterung und Vorfreude verbunden. Zu allen Zeiten war das Frühjahr auch eine Zeit besonders gehobenen Empfindens, gerade auch auf religiösem Gebiet.Weiterlesen »

Luther und der Höllengott

„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn,
dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.
Und wenn du lange in einen Abgrund blickst,
blickt der Abgrund auch in dich hinein.“
Friedrich Nietzsche

 

Im Jahr 2017, genau am 31. Oktober, jährt sich die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel [1], der als Auftakt der heute unter der Bezeichnung „Reformation“ bekannten religiösen Revolution am Anfang des 16. Jahrhunderts gilt, zum 500ten Mal. In der evangelischen Welt wird dieses Jubiläum verständlicherweise ausgiebig gefeiert; die deutschen Protestanten riefen sogar volle 10 Jahre ab 2008 vorab zur „Lutherdekade“ aus, um auf das enorme Datum hinzuleiten und veranstalten dieses Jahr republikweit ein riesenhaftes Spektakel rund um den Reformator, speziell in der „Lutherstadt“ Wittenberg. [2]

Auf der anderen Seite wurde als Antwort auf dieses Ausmaß an Verehrung von religions- und kirchenkritischer Seite ein heftiges Luther-Bashing betrieben. Sein Glaube an Teufel und Dämonen, sein Aufruf zu rücksichtsloser Gewalt gegen die aufständischen Bauern, seine Frauenfeindlichkeit und insbesondere sein scharfer Antisemitismus im Alter wurden und werden mit leidenschaftlicher Vehemenz an den Pranger gestellt und ihm derhalben insgesamt die Eignung als große Persönlichkeit und geistiges Vorbild abgesprochen. Texte, die dieser Linie folgen, sind beispielsweise Hubertus Mynareks „Ein monströser Gott“ (über Luthers Gottesbild) und „Martin Luthers Großangriff auf Philosophie und Vernunft“ (Mynarek, 2016a & 2016b), beide Ende 2016 beim Humanistischen Pressedienst (https://hpd.de) erschienen. In Buchform wären da z.B. Henkel (2017) und Wippermann (2014) zu nennen. Kritische Aktionen wie der „Nackte Luther“ begleiteten evangelische Kirchentage und Jubiläumsveranstaltungen. Auch Fernsehphilosoph Richard David Precht mag den Reformator nicht und nennt ihn einen „widerlichen Gesellen“ und „Verbrecher an der Menschheit“.[3]Weiterlesen »