Der große Weihnachtsschwindel (2)

Der Stern von Bethlehem

(Matth. 2, 1 – 11) Dass kosmische Zeichen die Geburt des wichtigsten Menschen aller Zeiten begleiten, scheint nur konsequent. Warum allerdings den Stern nur Sterndeuter aus dem Osten – vermutlich also aus dem Reich der Parther – und nicht auch Menschen in Palästina bemerkt haben, verrät uns der Schreiber des Matthäus-Evangeliums nicht. Zeitgenössische außerbiblische Quellen jedenfalls wissen genausowenig von irgendwelchen besonderen Ereignissen am Himmel um das Jahr 0 herum, die sich als der Stern der Weihnachtsgeschichte interpretieren ließen, wie Matthäus’ Autorenkollege Lukas mit seiner umfangreichen, aber eben völlig anderen Geburtsgeschichte Jesu.

Matthäus 2, 1-12, Lutherbibel 2017 __ BibleServer

Aber gut, nehmen wir trotzdem einmal an, parthische Astrologen hätten am Himmel irgendetwas entdeckt, das auf die Geburt eines neuen jüdischen Königs hindeutete und wären daraufhin – auch das reichlich unwahrscheinlich und unmotiviert – aufs Geratewohl losgezogen, um diesen König / Messias in Palästina ausfindig zu machen. Aber warum sollten parthische Gelehrte, die also möglicherweise dem Zoroastrismus nahestanden, den jüdischen Messias anbeten wollen? Wären sie jüdischen Glaubens gewesen, was nicht unmöglich erscheint, würde das zwar das Anbeten-wollen erklären, aber nicht, dass erst die Jerusalemer Schriftgelehrten ihnen von der Prophezeiung in Micha 5,1 (s. unten) erzählen müssen.

Sie begeben sich also zunächst an den Hof des aktuellen Herrschers, Herodes, den römischen Klientelkönig, den man später „den Großen“ nennen wird. Dort weisen die Schriftgelehrten Herodes’ auf die Prophezeiung in Micha 5,1 hin, dass der messianische König der Juden in Bethlehem geboren werden soll. Das ist ziemlich abwegig. Herodes, und mit ihm die am Hof beschäftigten Gelehrten, hätte doch die Ankündigung eines messianischen Königs ganz sicher erst einmal auf die eigene Dynastie bezogen. Herodes hatte im Lauf seines Lebens 10 Frauen und somit jede Menge Söhne – das einer von ihnen der große charismatische Retter Israels sei und dies nun von einem Stern angekündigt werde, hätte Herodes vermutlich nicht schlecht gefallen.

Aber o.k., verrückt genug, die Weisen werden also nach Bethlehem geschickt, wobei Herodes darauf sinnt, das messianische Baby möglichst schnell zu töten. Aber warum lässt er dann nicht gleich ein paar Soldaten mit den Sterndeutern zusammen gehen oder sie unauffällig von einem Tötungskommando verfolgen? So können die Weisen später eben entkommen, weil ein Engel sie warnt. Wirklich nicht sehr intelligent von Herodes und seinen Beratern!

Die morgenländischen Magier ziehen also von Jerusalem in das nahegelegene Bethlehem. Dort zeigt der Stern ihnen das Haus, in dem der kleine Jesus vor Kurzem geboren wurde, indem er, wie es heißt, „vor ihnen her“ geht. Sterne gehen aber nicht vor einem her, weil die Erde sich ständig dreht und dadurch auch der Sternhimmel. Dass ein Stern einem ein bestimmtes Haus zeigt, erscheint daher reichlich unsinnig.

Wie auch immer, hier in diesem sicher sehr schlichten Haus von Joseph und Maria (aber ohne Krippe, die gibt es nur bei Lukas) finden die Sterndeuter also ein Neugeborenes vor, das sie für den neuen König der Juden halten sollen. Der Sohn eines kleinen Bauhandwerkers bzw. Zimmermanns und seiner Frau. Und sie wundern sich nicht einmal darüber, sondern geben brav ihre Geschenke ab, beten das Baby an (warum auch immer, s.o.) und verschwinden dann wieder. In der Realität hätten sich die heidnischen Magier doch sicher von ihrem Stern genarrt gefühlt und das ganze für einen Irrtum, wenn nicht sogar für einen schlechten Scherz gehalten! Einmal mehr zeigt sich, wie absurd die ganze Erzählung des Matthäus-Autors ist.

Aufgrund der angestellten Plausibilitätsüberlegungen – mit eindeutigem Ergebnis – plus der Tatsache, dass weder Lukas noch irgend eine außerbiblische Quelle etwas von einem „Stern von Bethlehem“ wissen, können wir uns die Erörterung von zu allen Zeiten ersonnenen, zwar ausgeklügelten, aber – wie man sieht – von vornherein törichten und überflüssigen astronomischen Theorien zum Stern von Bethlehem zum Glück schenken. Der Stern ist ganz eindeutig eine Erfindung des Evangeliumsautors.

 

Die „heiligen 3 Könige“

(Matth. 2, 1 – 12)  Noch ein paar zusätzliche Überlegungen zu den Weisen aus dem Morgenland, heute meist „Heilige 3 Könige“ genannt.

Dass irgendwer schon bei der Geburt Jesu prophezeit haben soll, dass dies der jüdische Messias sein werde, ist eine absurde Behauptung. Selbst nachdem er später einige Jahre predigend und heilend durch die palästinischen Lande gezogen war, glaubte das ja bloß eine Handvoll Menschen, nämlich seine Anhänger. Spätestens als einige von diesen nach seiner Hinrichtung behaupteten, Jesus sei „auferstanden“, hätte man sich ja auch an die 30 Jahre alte Prophezeiung der 3 Weisen aus dem „Morgenland“ erinnern müssen. Bezeichnenderweise macht nicht einmal der Evangelist Matthäus (oder wie immer der Autor dieser Schrift hieß) selbst im weiteren Fortgang seiner Berichte über Leben und Sterben Jesu jemals Andeutungen in diese Richtung. Nie heißt es im weiteren Verlauf des Matthäus-Evangeliums: Seht her, hier ist Jesus, von dem schon bei seiner Geburt ausländische Sterndeuter ankündigten, er sei der König der Juden! Und es gab doch damals auch diesen speziellen Stern, der plötzlich auftauchte… etc. pp. Es scheint, dass sogar der Autor selbst das von ihm erfundene Märchen nach der Niederschrift sogleich wieder schamvoll vergessen hat.

Zu ergänzen ist noch, dass es sich bei den Weisen bei Matthäus natürlich nicht um „Könige“ handelte, die extra aus dem Osten nach Judäa zogen, und schon gar nicht um „heilige Könige“, auch wird nirgendwo die Zahl 3 genannt. Matthäus spricht in seiner Legende lediglich von einer unbestimmten Anzahl, im übrigen auch namenloser, Weiser bzw. Sterndeuter (im griechischen Original magoi, Magier). Die „Heiligen 3 Könige“, denen man die Namen Caspar, Melchior und Balthasar gab, sind legendarische Zusatzausschmückungen von Christen späterer Jahrhunderte – gewissermaßen außerbiblische Zusatzlegenden. Es ist so, als würde man dem Rotkäppchen der Gebrüder Grimm nachträglich zusätzliche Details hinzufügen. Nichtsdestotrotz gelten diese doppelt fiktiven Charaktere selbstverständlich als „Heilige“ in der katholischen Kirche und ihre Gebeine liegen bekanntlich im Kölner Dom.

Na dann: Hosianna! *

 

* Der Jubelruf „Hosianna“ war ursprünglich ein Flehruf und bedeutet so viel wie „Hilf doch!“

 

© Matthias Wehrstedt 2018

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